Drud

Den Erzählungen nach war die „druckade Trud – irgendwann nur noch Drud genannt” ein ganz normales weibliches Wesen. Ein Dienstbote beim Bauern, eine Bäuerin, eine Wirtin oder was auch immer. Sie alle haben tagsüber ihre ganz normale Arbeit verrichtet. Nur nachts wurden sie unruhig, wurden umtriebig und mussten weg zum „drucka”. Man hat Sie nur selten gesehen sondern häufig nur gespürt. Sie hat böse Menschen oder diejenigen die vom rechten Weg abgekommen sind in der Nacht besucht und sich im Schlaf auf die Brust oder das Genick gesetzt. Die daraus resultierende Atemnot und Schweißausbrüche war das einzige woran sich der „gedrückte” am nächsten Morgen erinnern konnte. Häufig hörte man dann die Leute erzählen ... „mir geht’s Hundselend - heid Nacht hod me Drud druckt”. Anders konnte man sich die nächtlichen Beschwerden nicht erklären. Woher kam es, dass die Drud umtriebig war? Darüber gibt es im Grunde zwei grundverschiedene Geschichten nachzulesen. Die Profane zuerst. Angeblich wurde bei der Taufe des Maderl's ein Fehler gemacht. Entweder war des Wasser nicht geweiht oder das Wasser hat den Kopf des Mädchens nicht berührt. Wiederum erzählt man, dass der Taufpate oder die Eltern nicht aufrichtig glaubende Christen waren und deshalb die Taufe ihre Wirkung verfehlte. Die schönere und für unseren Zweck brauchbare Version: Ein weibliches Wesen das lediglich in einer Christnacht der Völlerei nachgegeben hat, vor der Mette bereits die Mettenwurst gegessen hat und konnte dann vor Trägheit die Christmette nicht besuchen. Von da an musste Sie in den Raunächten umtriebig sein und Ihre Schuld begleichen. Sie hat nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene jeden Alters „druckt”, also gedrückt und erstickt. Der plötzliche Kindstot wurde zur damaligen Zeit immer wieder der Drud zugeschrieben. Wenn keine Menschen in der Nähe waren, machte sie sich sogar über's Vieh her. Nicht selten lagen Tiere am Morgen tot im Stall. Es gab nicht viele Mittel, sich die die Drud vom Leib zu halten. Eines davon war, Türen, Betten und Türschwellen, ja sogar Wände mit dem Drudenfuß zu bemalen. An allen möglichen bäuerlichen Arbeitsgeräten, Gebrauchsgegenständen im Haus, an Tür und Tor, auf Truhen, bemalten Kästen, auf Mostpressen und vielen anderen Gegenständen wurde er angebracht. Der Drudenfuß war ein Zauberzeichen und hat die Form eines fünfzackigen Sterns.

Die Zahl fünf gilt auch als die Zahl des Menschen. Fünf Finger, fünf Sinne, fünf Extremitäten hat der Mensch und aus dem Fünfstern ergeben sich die goldenen Proportionen an der menschlichen Figur. Ein weiters Mittel die Drud zu vertreiben war der Überlieferung nach ein Messer in den Türstock zu stecken. Vom Anblick des steckenden Messers abgeschreckt betrat die Drud die Stubn nicht. Wollte man wissen wer die Drud ist, brauchte es zunächst eine gehörige Portion Mut. Man musste die Drud über sich ergehen lassen und bevor sie gehen wollte lud man Sie ein „kummst morgen zur Suppn”! Diesem Wusch konnte Sie sich nicht widersetzen und wer eben dann am nächsten Tag zur Essenzeit zu Besuch kam entlarvte sich als Drud. Häufig wurde man von dem Erscheinen der Drud mit dem Reim gewarnt:

„Schautses net o – versteckts euch vor ihr.
Wenns do is, dann druckts eich.
Sonst macht's es mit Dir".

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